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Ein echter Tausendsassa
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Es gibt kaum ein natürliches Produkt, dessen Anwendungsgebiete so vielfältig sind, wie die der Gelatine. Von Lebensmitteln über Medikamente und Fotografie bis hin zu Streichhölzern spielt Gelatine eine tragende Rolle.

Gelatine in der Lebensmittelindustrie
Bei der modernen Lebensmittelherstellung wird Gelatine sehr vielseitig angewendet. Hauptgrund dafür ist ihre einzigartige Fähigkeit, auf Wärme zu reagieren. Gelatine schmilzt bei 37 Grad Celsius und wird beim Erkalten wieder fest. Lebensmittel mit Gelatine schmelzen daher bei Körpertemperatur im Mund und erzeugen dabei ein einzigartiges Mundgefühl sowie ein intensives Aroma. Ihre angenehmen Verzehreigenschaften machen die Gelatine in der Lebensmittelindustrie unersetzlich.

Übrigens: Gelatine ist zudem eine hochwertige Proteinquelle, cholesterin- und zuckerfrei und sie enthält praktisch keine Fettanteile. Sie ist leicht verdaulich und wird vom menschlichen Körper vollständig abgebaut. Zudem hat Gelatine kaum allergenes Potenzial.

Viele Halbfett-, fettarme oder Light-Produkte wären ohne Gelatine nicht möglich. Ob Halbfett-Margarine oder -Butter, fettarme Sülzen oder fettreduzierte Käsesorten – Gelatine wird überall eingesetzt. Sie ist ge-schmacksneutral, bindet große Mengen an Wasser, bildet Gele und verleiht Lebensmitteln das großartige „Mundgefühl“.

Süßwaren
Speisegelatine ist unverzichtbar für Gummibärchen, Frucht- und Weingummis, Marshmallows, Lakritz, Mohrenköpfe und viele andere Leckereien. Sie gibt ihnen Elastizität, die richtige Kaukonsistenz und eine lange Lagerfähigkeit. Bei lockeren Süßigkeiten ermöglicht Gelatine die Schaumbildung und stabilisiert den Schaum für Transport und Lagerung der Produkte.

Backwaren
Eine Torte ohne Gelatine? Das ist nur schwer vorstellbar. Gelatine stabilisiert die Creme- und Sahnefüllungen, macht sie schnittfest und verlängert die Haltbarkeit. Industriell gefertigte Torten können problemlos eingefroren und wieder aufgetaut werden – dank Pulver-, Blatt- oder Instant-Gelatine.

Milchprodukte und Desserts
Milchprodukte sind sehr populär. Bei ihrer Herstellung und der Entwicklung von immer neuen Sorten spielt Gelatine eine außerordentlich wichtige Rolle. Die richtige Dosierung und der passende Gelatinetyp sorgen für cremig-leichte Rührjoghurts oder für festere Milcherzeugnisse wie Quark und Kefir.

Gelatine gibt auch Cremes und Schaumdesserts die gewünschte Konsistenz und das angenehme „Mundgefühl“ – von bissfest bis locker.
Erfrischende Götterspeisen und Fruchtgelees sind dank Gelatine glasklar und schön „wackelig“.

Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren
Bei Sülzen und Aspik sorgt Gelatine für ein appetitliches Aussehen. Viele Salami- oder Pfefferwurstsorten werden durch einen Gelatine-Schutzüberzug vor dem Austrocknen bewahrt.

Bei Fischwaren wird Gelatine überwiegend zur Herstellung von Aspikprodukten verwendet. Sie bietet hier neben optischen Funktionen vor allem Schutz vor Licht und Sauerstoff.

Zur Eiweißanreicherung, zum Beispiel in Pasteten oder Fertiggerichten, gewinnen Spezialgelatinen immer mehr an Bedeutung.

Getränke
Gelatine steigert auch den Trinkgenuss. Weine, Fruchtsäfte, Apfelwein – und in manchen Ländern Bier – werden zur Klärung einer Gelatinebehandlung unterzogen. Dabei reagiert die Gelatine insbesondere mit Gerb- und Bitterstoffen und absorbiert trübe Bestandteile, die dann zu Boden sinken und vom Getränk getrennt werden können.

Gelatine in der Pharmaindustrie
Auch in der pharmazeutischen Industrie wird Gelatine auf sehr vielfältige Weise eingesetzt. Sie dient unter anderem der Herstellung von Hart- und Weichkapseln, Tabletten und Dragees und schützt Medikamente vor dem schädlichen Einfluss von Luft und Licht. Durch ihre gute Verträglichkeit mit menschlichem Gewebe wird Gelatine in Schwammform bei der Wundbehandlung und in Lösungen als Blutplasma-Ersatz eingesetzt.

Kapseln und Tabletten
Als Bestandteil von Hart- und Weichkapseln schützt Gelatine Medikamente vor schädlichen Einflüssen wie Licht oder Sauerstoff. Für Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel werden meist Weichkapseln verwendet, für Medikamente Hartkapseln. Gelatine hilft, die pharmazeutischen Wirkstoffe zuverlässig und dauerhaft zusammenzuhalten.

Durch die sorgfältige Auswahl und Dosierung kann sogar die Freisetzungsgeschwindigkeit von medizinischen Wirkstoffen bei der Einnahme von Kapseln optimiert werden.

Eine technologische Neuentwicklung sind gelatinebeschichtete Tabletten (Caplets). Die Beschichtung sorgt dafür, dass Patienten die Caplets problemlos einnehmen können.

Vitaminpräparate
Mit Gelatine lassen sich feinst verteilte Vitamin A und E Öltröpfchen in freifließendes Pulver verwandeln, das sich in wässrigen Lösungen gut auflöst. Die Umhüllung der Vitamine mit Gelatine schützt das Präparat gegen Sauerstoff und Licht und macht es haltbar. Die Hülle ist in warmen und kalten Flüssigkeiten löslich. Ein Beispiel sind Vitamin-Brausetabletten.

Gelatineschwämme
In der Zahnmedizin und Chirurgie spielen Gelatineschwämme eine wichtige Rolle. Die blutstillenden Schwämme werden im Verlauf der Wundheilung vollständig vom körpereigenen Gewebe aufgenommen.

Plasmaexpander
In der Notfallmedizin werden bei hohen Blutverlusten häufig Plasmaexpander (Volumenersatzmittel) auf Gelatinebasis eingesetzt, um das Blutvolumen der Patienten schneller wieder anzugleichen.

Gelatine in der Fotoindustrie
Ohne Gelatine wäre die moderne Fotografie nicht denkbar. Silbersalz-Fotomaterialien setzen sich aus bis zu 15 gelatinehaltigen Schichten zusammen, die auf Film oder Papier vergossen sind. Gelatine dient hier als Bindemittel für lichtempfindliche Silberhalogenide. Durch ihre Quellfähigkeit können die fotografischen Essenzen in die Schichten eindringen und durch Wässern wieder entfernt werden. Für das komplizierte Schichttechnikverfahren stellt Gelatine eine wichtige Komponente dar. Sie hat die Fähigkeit, bei Erwärmung eine Lösung zu bilden, die bei Abkühlung wieder zum Gel erstarrt und nach dem Wasserentzug haltbar wird.

Die Eigenschaften der Gelatine werden für hochempfindliche photographische Filme benötigt, insbesondere um die für Farb- und Röntgenfilme erforderlichen hohen Empfindlichkeiten zu erreichen.

Aus der Digitalfotografie ist Gelatine ebenfalls nicht wegzudenken. Das mit Gelatine beschichtete Ink Jet Druckerpapier garantiert brillante Farben und klare Formen. Das Ergebnis sind Drucke von höchster Qualität.

Gelatine ist universal – andere Anwendungsgebiete

Gelatine entfaltet nicht nur in der Nahrungsmittel-, Pharma- und Fotoindustrie ihre Wirkung. Zahlreiche Industriezweige profitieren von den positiven Eigenschaften des Naturprodukts. Die folgenden Beispiele sind eine Auswahl aus dem breiten Spektrum der Gelatine-Anwendungen.

Als Zusatz von Wasch- und Reinigungsmitteln entwickeln Kollagen-Hydrolysate und Kollagen-Tenside auf Basis von Gelatine ihre gute Hautverträglichkeit und schützen die Haut vor aggressiven Tensiden. In ihrer
Eigenschaft als Faserschutzproteine bringen sie fühlbare Wirkung in Spezialwaschmitteln für Wolle, Seide und andere empfindliche Textilien.

Blattdünger mit ausgewählten Gelatinen und Gelatine-Hydrolysaten sind weit verbreitet. Durch den langsamen Abbau von Aminosäuren wird der Stickstoffgehalt genau dosiert. Gelatine hat damit einen positiven Einfluss auf die Stoffwechselmechanismen von Pflanzen.

Bei der Herstellung von Zündhölzern sind die bindenden Eigenschaften der Gelatine zum Ankleben der Streichholzköpfe unabdingbar.

Gelatine wird auch in der Papierindustrie verwendet. Hier verbessert sie die Feuchtigkeitsresistenz und die Festigkeit des Papiers. Mit Gelatine können sogar Bücher restauriert werden.

Zink und Cadmium können durch die Zugabe von Gelatine in elektrolytische Bäder gereinigt werden. Gelatine ermöglicht die Ablagerung von Verunreinigungen und schafft damit die Grundlage zur Erzeugung von Metallen hoher Reinheit.

Bei der Restauration von Bauwerken – beispielsweise der Semper Oper in Dresden, einem der schönsten Opernhäuser in Europa, oder der Pont Alexander III, der größten Brücke in Paris –  wird Gelatine als elastischer Klebstoff verwendet.

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