Foto und Kunst

Ob Götterspeise, Aspik oder Medikamentenkapsel – so kennen die meisten Menschen Gelatine. Weniger bekannt ist jedoch die wichtige Rolle, die Gelatine bei der Erzeugung von Fotos und Röntgenbildern hat – und in der Kunst.

Mit Gelatine im Bild

Dank Gelatine können Amateurfilme, farbiges Papier, graphische Filme und Röntgenfilme in industriellem Ausmaß produziert werden. Die Grundlage der analogen Bildentstehung bildet bei Schwarzweiß-Filmen ebenso wie bei Röntgenfilmen die Silberfotografie. Silbersalz-Fotomaterial setzt sich aus bis zu 15 gelatinehaltigen Schichten zusammen, die auf Film oder Papier vergossen sind. Gelatine dient hier als Bindemittel für lichtempfindliche Silberhalogenide.

In the picture with gelatine

Durch ihre Quellfähigkeit können die fotografischen Essenzen in die Schichten eindringen und durch Wässern wieder entfernt werden. Für das komplizierte Schichttechnikverfahren stellt Gelatine eine wichtige Komponente dar. Sie hat die Fähigkeit, bei Erwärmung eine Lösung zu bilden, die bei Abkühlung wieder zum Gel erstarrt und nach dem Wasserentzug erhalten bleibt. Die Eigenschaften der Gelatine werden für die Produktion hochempfindlicher photographischer Filme benötigt, vor allem für Farb- und Röntgenfilme, die eine besonders hohe Empfindlichkeit erfordern.

Gelatine und der Röntgenfilm

Der Röntgenfilm ist ein Schwarzweiß-Film im Großformat, der meist beidseitig beschichtet ist, um die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Die Emulsionsschichten enthalten in Gelatine eingebettete, lichtempfindliche Silberhalogenide. Der Film wird in einer Kassette vor Lichteinstrahlung geschützt, in der sich auch Folien befinden, die durch Röntgenstrahlung zum Leuchten angeregt werden. Was im Film sichtbar wird, hängt davon ab, wie viele Strahlen der zwischen Röntgenquelle und Filmmaterial positionierte Körper des Patienten absorbiert.

Gelatine in der analogen und digitalen Fotografie

Auch bei der Erstellung von Papierabzügen ist Gelatine beteiligt: Fotopapier ist ein lichtempfindlich beschichtetes Material auf Papierbasis. Wie beim Film sind die für den Fotoentwicklungsprozess notwendigen lichtempfindlichen Substanzen (z.B. Silberhalogenide, Farbkuppler) in mehrlagigen Gelatineschichten vor mechanischen Verletzungen geschützt eingebettet.

Die Hersteller von Filmmaterial schätzen Gelatine als einen nicht durch synthetisch hergestellte Kunststoffe oder Polymere zu ersetzenden Rohstoff. Zusätzlich kann Gelatine, ähnlich wie Polymere, in modernen Fertigungsanlagen zuverlässig in gleichbleibend hoher Qualität industriell verarbeitet werden.

In der digitalen Fotografie spielt Gelatine ebenfalls eine wichtige Rolle. Das mit Gelatine beschichtete „Fotopapier“ für den Ausdruck digitaler Bilder garantiert brillante Farben und klare Formen.

Gelatine in Tintenstrahl-Anwendungen und Kunstdrucken

Hier dient die Gelatineschicht nicht dem Schutz lichtempfindlicher Subtanzen, sondern durch ihre Quellfähigkeit der Aufnahme von wasserlöslicher Druckertinte in das Papier. Anschließend sind die Farben auf dem Tintenstrahlpapier in die getrocknete Gelatineschicht eingeschlossenen und dadurch vor dem schädlichen Einfluss von Sonnenlicht und Ozon geschützt. Auf unbeschichtetem Papier ohne Gelatinebeschichtung hingegen bleichen die Tintenstrahlfarben aus.

Darüber hinaus nutzen einige fotografische Edeldruckverfahren Gelatine als Träger der Pigment- bzw. Chemikalienschicht. Edeldruckverfahren werden vorwiegend in der künstlerischen Fotografie und Druckgrafik eingesetzt. Das Ergebnis sind Drucke von höchster Qualität.

Gelatine in der Malerei und bei der Requisite

Albrecht Dürer, William Turner und Wassily Kandinsky pflegten sie ebenso gekonnt wie schon die alten Ägypter: die Aquarellmalerei. Während die Künstler am Nil mit eher groben, in Gummiwasser gelösten Pigmenten auf Kalkgrund malten, finden heute meist äußerst feine, bis in die Papierfaser eindringende Pigmente Verwendung.

 

 

Um diese zu einer homogenen Farbe zu verbinden, werden Bindemittel eingesetzt wie zum Beispiel Gummi arabicum, synthetische Produkte oder eben Gelatine. Damit die feinen Farbpigmente nicht zu tief in das Papier eindringen und „verschwinden“, wird Aquarellpapier durch Eintauchen in ein Gelatinebad mit einer dünnen Schicht überzogen, die den Bildern zudem einen leichten Glanz verleiht.

Die vielseitige Verwendbarkeit der Gelatine inspiriert seit jeher Künstler aller Genres. Auch am Theater und beim Film greift man auf ihre flexiblen Gestaltungeigenschaften zurück. So verwenden Maskenbildner gefärbte Gelatine zur realistischen Wunddarstellung oder für das Kreieren fantastischer Figuren. Auch die Organe, die zum Beispiel in beliebten Krankenhaus- und Ermittlerserien zu sehen sind, sind oft ausschließlich aus Gelatine gefertigt.